Kleidersammlung oder reif für die Tonne?

Nachdem ich nun schon monatelang mit immer größer werdenden Löchern in der Hose zu Hause rumlaufe und mich damit kaum noch in den Keller traue, muss ich mir endlich die Frage stellen, wann ein Kleidungsstück reif für die Tonne ist. Erfahrt, warum mir das Trennen von meiner eigentlich gar nicht geliebten Hose so schwerfiel und wie es am Ende doch noch geglückt ist.

Trennungsprobleme

Ich tue mich ja ohnehin schon schwer mit dem Ausmisten und Wegschmeißen. Vor allem aber, wenn die Dinge „eigentlich ja noch gehen“, das heißt sie haben schon den einen oder anderen Makel, sind aber in ihrer Funktion zumindest teilweise noch nutzbar. Dabei fällt es mir umso schwerer, mich zu trennen, wenn die Sachen wirklich weggeschmissen werden sollen und nicht etwa verschenkt, getauscht oder verkauft werden (können). Genau dann hüten solche Sachen manchmal noch viel zu lange mein Heim, obwohl ich mich dann meist schon ständig darüber ärgere, weil die Mängel eben doch schon zu groß sind.

Ungeliebte Heimhüter

Ein solcher Heimhüter war bis heute meine Lümmel-Jogging-Hose. Nicht, dass mich das Teil durch besondere hervorzuhebende Eigenschaften jahrelang überzeugt hätte, immer wieder getragen werden zu wollen. Nein, im Gegenteil: Nur eine viel zu kleine Tasche am Gesäß, dazu noch mit Knopf, die einfach unpraktisch ist, der Stoff viel zu dünn um warm und gemütlich zu sein, und die Schnüre zu lang und ohne die Fähigkeit die Hose an Ort und Stelle zu halten.

Das Problem an der Sache: Ich habe auch keine andere Lümmel-Hose, die als mögliches Lieblingsteil die Besagte ersetzten könnte. Eher habe ich noch weitere, die mit ähnlichen ungeliebten Eigenschaften daherkommen. Vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, dass bisher noch keine gemütliche Haus-Hose in meinen Schrank gefunden hat. Denn ich habe zu viele dieser Hosen, die den Lümmel-Zweck ja eigentlich erfüllen könnten und auch sollen, schließlich haben sie auch keine andere Funktion, der ich sie zuschreiben könnte. Da kann man ja nicht einfach noch eine kaufen.

Wann ist etwas reif für die Tonne?

Nun geht es hier ja gerade um das Trennen von Dingen, denn besagte Lümmelhose ist inzwischen tatsächlich auch für den vorgesehenen Zweck kaum noch geeignet. Nur, dass ich das bisher zwar wahrgenommen, aber erfolgreich ignoriert habe. Man schaut ja glücklicher Weise auch nicht so oft grundlos an sich herunter. Inzwischen sind die Löcher um die fast ausgerissene Gesäßtasche aber schon so groß, dass man am Popo spüren kann, ob noch ein Fenster offen ist.

Da sollte man meinen, ist doch toll! Endlich eine sowieso eher ungeliebte Hose wegwerfen und ein Grund, eine schöne, neue zu beschaffen, die vielleicht Potential zum Lieblingsteil hätte. Weit gefehlt. Bis mir nicht eingefallen ist, was man statt wegschmeißen aus dieser Hose machen kann, habe ich mich lieber bei jedem Gang zur Mülltonne mit einer langen Jacke bekleidet oder gleich ganz umgezogen.

Was für ein Glück, dass ich mir erst kürzlich Alternativen zu Haushalts-Papier gesucht habe. Denn auch die Hose kann man, in Teile geschnitten, bestens zum Putzen verwenden. Ist doch viel besser, als über den Restmüll verbrannt zu werden, oder? Und in der Kleidersammlung werden am Ende wahrscheinlich auch nur Lappen draus. So spare ich mir gleich die Zwischenschritte und produziere meine Lappen selbst.

Schwieriger wird es da mit anderen Heimhütern, die sich bei mir so tummeln: Zum Beispiel Schuhe, die zwar meine Füße noch vor dem Kontakt mit dem Boden bewahren, aber sowohl optisch kaputt, als auch bei Regenwetter völlig ungeeignet sind.

Was macht man denn damit? Da hilft wohl wirklich nur Einschmelzen und hoffen, dass es wärmt. Bis mir dazu allerdings noch eine Alternative einfällt, wird man mich wohl weiterhin an dem ein oder anderen abgenutzten Accessoire erkennen können.

Trennen leicht gemacht

Besser sieht es da aus mit Dingen, die keine oder nur geringe Mängel haben. Wenn die mir nicht mehr gefallen, habe ich zwar trotzdem Mühe, sie loszulassen – insbesondere, wenn Erinnerungen dranhängen – aber diese Stücke kann man ja immerhin weitergeben: Kleidersammlung, Umsonstflohmarkt, Verschenken im Kleinanzeigenmarkt – vieles ist möglich und verspricht, dass dem Genutzten nochmal neues Leben eingehaucht wird und es jemand gebrauchen kann.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf habe ich mich vor einigen Wochen auch endlich durchgerungen, den immer höher werdenden Stapel mit dem unsichtbaren Etikett „ausgemistet“ endlich wirklich wegzugeben. Natürlich nicht, ohne ihn noch einmal durchzusehen und doch noch das ein oder andere wieder in den Schrank einzuräumen.

Bei dem Beschluss, die Sachen nun endlich loszuwerden, kam auch mein Gewissen noch mit ins Spiel. Schließlich wollte ich die Sachen nicht Leuten in die Hände geben, die vielleicht noch unnötig Geld daraus schlagen wollen. Und die Altkleidersammlungen hierzulande sind ja schon ein bisschen in Verruf geraten, zumal es inzwischen wirklich unheimlich viele gibt! Was das betrifft, gibt es Unterstützung vom Dachverband Fairwertung e.V., der die gemeinnützigen Sammelaktivitäten bundesweit in einem Netzwerk vereint und auf seiner Seite im Internet auch ein paar Hinweise bereithält, wie man die dubiosen Kleidersammlungen von den wirklich gemeinnützigen unterscheiden kann.

Es muss nicht immer gleich wegschmeißen sein

Bevor ich mich aber zu dem Schritt durchringen konnte, die Kleidung wirklich abzugeben, habe ich trotzdem erstmal versucht, sie selbst auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Hat nicht so gut geklappt. Ich habe zwar vieles verkauft, aber Kleidung ging allgemein wirklich eher schlecht. Auch der Versuch, die Kleidung per Kilopreis loszuwerden, wie es zum Beispiel die Quick Textilverwertung in Braunschweig anbietet, hat mich irgendwie nicht zufrieden gestellt. Schließlich ist der Preis, den man bekommt, wirklich nicht sonderlich hoch und irgendwie hab ich das Gefühl, dass man dort auch nicht so genau weiß, was mit den Sachen eigentlich passiert.

Ich glaube, das Abgeben bzw. Verschenken gibt mir nur dann ein wirklich gutes Gefühl, wenn ich den oder die Beschenkten kenne und sehen kann, wie etwas Freude bereitet. Oder wenn ich zumindest erahnen kann, dass damit Gutes getan wird.

Kleidung spenden für einen guten Zweck

Statt meine alten Sachen in eine dubiose Kleidertonne irgendwo am Straßenrand zu werfen oder in eine der in Hauseingängen oft temporär bereit gestellten Wäschekörbe zu legen, habe ich meine Sachen nun beim Second Hand – Charity Shop Zweimalschön im Magni-Viertel abgegeben. Hier kann man die Kleidung genauso auch direkt in eine große Tonne vor der Tür werfen. Aber man kann eben auch mit den Menschen sprechen, die dahinterstehen.

Und so erfahre ich, dass die Kleidung zum Teil direkt in bedürftigen Regionen verteilt wird, aber der Erlös vom Verkauf der Kleidung auch anderen Wohltätigkeitsprojekten zufließt. Im Gespräch bekomme ich gleich Lust, mich von der Verteilung in Ländern wie zum Beispiel Albanien selbst zu überzeugen und dabei mitzuwirken. Auf Nachfrage bekomme ich die Kontaktdaten von einem Zuständigen der Deutschen Kleiderstiftung, die die Zweimalschön-Shops betreibt und der mir bei solchen Anliegen weiterhelfen könne.

Der Ansprechpartner meldet sich auch kurze Zeit später bei mir, leider mit dem Hinweis, dass die Verteilung vor Ort unter anderem aus Kostengründen von den Einheimischen selbst vorgenommen wird. Aber er bietet mir ein Ehrenamt im Charity-Shop selbst an. Schade. Aber seine offene Reaktion verrät mir, dass es bestimmt irgendwie möglich wäre, der ein oder anderen Verteilaktion beizuwohnen, wenn man es unbedingt will und entsprechend hartnäckig bleibt und außerdem bereit ist, die Kosten zu tragen.

Befreites und gutes Gefühl garantiert Wiederholung

Auf jeden Fall vermittelt mir die Kommunikation mit den Beteiligten und die Möglichkeit, die Kleidung direkt im Laden abgeben zu können ein gutes Gefühl. Da wird sich bestimmt noch das ein oder andere Teil finden, das ich hier abgeben werde. Schließlich ist es doch besser, damit etwas Gutes zu tun, als lange Jahre immer wieder darauf zu hoffen das Kleidungsstück vielleicht doch nochmal anzuziehen.

Alles in allem war das Weggeben meiner Sachen auf jeden Fall sehr befreiend! Ich werde es wieder tun..

Wie seht ihr das? Ist euch egal, was mit euren abgetragenen Klamotten passiert oder wisst ihr sie auch gern in guten Händen? Gibt’s diesbezüglich noch eine Geheimadresse in Braunschweig und Umgebung, die ihr empfehlen könnt? Lasst es mich wissen und schreibt einen Kommentar!

2 thoughts on “Kleidersammlung oder reif für die Tonne?

    • Ja, das stimmt. Neu nähen geht eigentlich immer, weshalb ich auch eine Stoffreste-Kiste habe 😉 Zuletzt habe ich dabei aus zwei Hosenbeinen eine Rolle gegen die Zugluft unserer Wohnungstür genäht.

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