Drucken: Mit Erdöl oder Soja

Mal eben schnell eine Seite ausgedruckt, wer denkt da schon groß über die Umweltbelastung nach. Außer Papier sparen, hat man meist wenig konkrete Ansätze im Kopf, die den Druck ökologischer machen. In diesem Artikel begebe ich mich auf die – wirklich nervenaufreibende – Suche nach dem Zubehör für einen ökologischen Druck. Erfahrt nicht nur, was möglichst nachhaltiges Druckerpapier und -patronen ausmacht, sondern auch welche anderen Helferlein es noch gibt.

Reste aufbrauchen – der Umwelt zuliebe

Seitdem die Schul- und Studienzeiten in weite Ferne gerückt sind, gibt es für mich nur noch selten Bedarf, etwas auszudrucken. Mein All-in-One-Druckergerät ist aber funktionstüchtig und ich hatte beim letzten Patronenkauf vor einigen Jahren eine riesige Packung Nachfüllpatronen im bekannten Online-Versandhaus bestellt. Da ich nun für die Bewerbung des Blogs Material wie Visitenkarten und Werbekarten benötige, liegt es da nahe, diese auch selbst zu drucken.

Da ich noch so viele Ersatzpatronen liegen habe, werde ich die natürlich verbrauchen. Trotzdem interessiert mich der ökologische Aspekt dabei. Wie sähe denn ein nachhaltiger Druck bei zukünftigen Projekten aus?

Druckerfutter aus der Küche: Soja

Da wäre zunächst einmal die Farbe. Laut B.U.N.D. enthält die Patrone meines Tintenstrahldruckers heutzutage zumindest keine Schwermetalle mehr. Trotzdem ist das Verbrauchsmaterial nicht unbedingt ökologisch und sollte daher sparsam eingesetzt werden. Dies spricht bei häufigem Drucken für einen Laserdrucker, bei dem der Toner insgesamt sparsamer verbraucht wird. Toner gibt es sogar schon auf Soja-Basis, wer in puncto Nachhaltigkeit noch eins drauflegen will. Allerdings sollte man dann die Soja-Herkunft nochmal genauer unter die Lupe nehmen, Stichwörter Regenwald und Gentechnik. Was bleibt ist außerdem der beim Drucken freigesetzte Feinstaub.

Druckerfarbe enthält meist Erdöl

Die Druckerpatronen für meinen Tintenstrahldrucker enthalten keinen Toner, trotzdem aber zusätzlich zu den Farbpigmenten verschiedene Binde-, Hilfs- und Lösemittel. Wozu man die braucht, ist wie ich finde sehr anschaulich auf dem Heldenblog zusammengefasst. Den Autoren zufolge kann man auf Bio-Druckfarben umsteigen, um das Mineralöl zu umgehen, das in den herkömmlichen Farben als Lösemittel enthalten ist. Meine eher kurz ausgefallene Suche nach Bio-Druckerfarben – schließlich habe ich meine Altbestände ja noch – hat in dieser Hinsicht allerdings noch keine Ergebnisse hervorgebracht.

Auffüllen statt wegwerfen

Unabhängig von der Farbe selbst, gibt es aber noch einen anderen Schritt, den man meines Erachtens gut umsetzen kann, um das Drucken zu Hause ökologischer zu gestalten. Das Motto heißt: Nachfüllen statt entsorgen! Zum einen spart man dabei schon mal das Kunststoffgehäuse der Druckerkartuschen ein, außerdem ist das Wiederbefüllen deutlich umweltschonender, da es weniger Energie und Ressourcen verbraucht. Obendrein ist es sogar günstiger.

Verbrauchte Patronen sollte man deshalb auch unbedingt zum Sammeln abgeben und nicht einfach wegschmeißen, dann sind sie auch noch bares Geld wert. Bei tintenalarm.de oder geldfuermuell.de kann man gebrauchte Kartuschen kostenfrei und gegen Bezahlung einsenden, hier gibt es auch viele weiterführende Informationen hinsichtlich Herstellergarantie und Druckqualität. Beides scheinen heutzutage keine Ausschlusskriterien für das Wiederbefüllen zu sein.

Leergut von Druckerpatronen heiß begehrt

Übrigens ist Leergut zum Befüllen von Druckerpatronen heute inzwischen schon Mangelware. Aufgrund der hohen Preise der originalen Hersteller-Patronen steigen schon so viele Verbraucher auf Nachfüllkartuschen um, dass der Bedarf stetig wächst. Insbesondere leere Druckerpatronen mit integriertem Druckkopf werden aber zum Nachfüllen benötigt, da diese aufgrund kleinster Patente nicht nachgebaut werden dürfen.

Sobald meine Druckerpatronen restlos verbraucht sind, werde ich auf jeden Fall wieder das Nachfüllen ausprobieren. Das hatte ich sogar schon mal gemacht, war damit aber nicht so richtig zufrieden gewesen. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass meine Druckerprobleme, die ich dann später hatte, gar nichts mit der nachgefüllten Tinte zu tun hatten. Also muss sowieso ein neuer Versuch her!

Noch kein Standard: Recycling-Papier

Zum Druck gehört nun neben der Farbe auch noch das Papier. Da gibt es ja glücklicherweise den blauen Engel, ein Siegel, über das ich schon im Zusammenhang mit Küchenpapier gestolpert bin. Soll es also nachhaltiges Papier sein, wäre 100% Recycling-Papier schon mal eine gute Wahl und da findet man auf den Seiten vom blauen Engel auch die passenden Produkte und Anbieter.

Da ich ja etwas Professionelles drucken möchte, habe ich zuerst an einen Druckspezialisten gedacht. Hier in Braunschweig gibt es ganz in der Nähe Schwendowius, ein Druckdienstleister, der hochklassige Drucke auch in kleineren Auflagen anbietet. In einem Gespräch ist schnell klar: Auch hier wird digital gedruckt (außer Offsetdruck ist gewünscht), und zwar mit Geräten der großen bekannten Hersteller und deren Toner-Produkten. Die zugehörige Auswahl an Papier ist groß, vor allem was die Grammatur betrifft, auch PEFC-zertifiziertes Papier ist dabei. Nur leider kein Recycling-Papier, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Weißes Altpapier und bitte keine technischen Probleme

Auf eine Email-Anfrage verraten mir die hilfsbereiten Kollegen der Druckerei dann aber, dass ich Recycling-Papier in kleinen Auflagen bei Graphiti an der HBK finde. Dort haben sie dann auch tatsächlich Recycling-Karton in der von mir benötigten Stärke vorrätig. Nur leider beschränkt sich die Farbauswahl auf braun oder grau, wovon ich mir kein gutes Druckergebnis verspreche.

Auf den Seiten vom B.U.N.D. hatte ich vorher immerhin schon erfahren, dass es Recycling-Papier heute auch in allen Farben und rein weiß gibt. Besonders hilfreich war übrigens der Hinweis, dass das Recycling-Papier unbedingt die Norm DIN 19309 erfüllen sollte, damit es keine technischen Probleme für den Drucker gibt.

Offline-Shoppen schwer gemacht

Die Recherche, ob die bei Graphiti käufliche Marke des Recycling-Kartons auch andere Farben anbietet, bleibt leider ohne Ergebnis. Die Homepage ist diesbezüglich nicht aussagefähig und ich habe keine Energie mehr weiter zu suchen. Da ich inzwischen auch erfolglos in anderen Papiergeschäften war, habe ich beschlossen, den Recycling-Karton online zu bestellen. Wo, weiß ich noch nicht. Vorschläge?

Was die Visitenkarten betrifft, konnte ich mich übrigens nicht so lange gedulden, wie ich für die Recherche gebraucht habe. Aber regional in Braunschweig einkaufen wollte ich dennoch, sodass ich bei Weiss Visitenkartenpapier gekauft habe. Sündhaft teuer und dabei noch nicht mal recycelt. Dafür strahlend weiß für den besten ersten Eindruck.

Mit schlauen Programmen noch ökologischer

Wie ich das wieder gutmache, weiß ich schon. Denn neben der Auswahl von Papier und Tinte kann man auch einfach den Verbrauch reduzieren. Ich überlege mir zwar schon lange bei jedem Druck, ob das wirklich nötig und sinnvoll ist oder auch papierlos erledigt werden kann. Aber auch für die „benötigten“ Dokumente gibt es die Möglichkeit auf einfache Weise Ressourcen zu sparen, nämlich mit ein paar zusätzlichen Tools auf dem Rechner.

Getestet habe ich sie noch nicht, aber GreenPrint und EcoFont scheinen mir beispielsweise ganz spannend zu sein. Das eine Programm ermöglicht es unter anderem unerwünschte Grafiken vor dem Drucken zu entfernen, das andere bietet einen Satz Schriftarten, die durch gelöcherte, aber gut lesbare Buchstaben Tinte sparen. Das StartUp ecodoc der Berliner Humboldt Universität gibt es scheinbar leider nicht mehr; die hatten ein sparsames Druckformat angeboten und auch selbst Druckerpatronen recycelt.

Was ich dabei gelernt habe

Die Suche nach ökologisch einwandfreien Produkten im Bürobedarf hat mal wieder gezeigt, wie schwierig es manchmal ist, reflektiert und nachhaltig zu konsumieren. Denn man kann ja vieles kaufen wollen, aber angeboten wird es darum trotzdem nicht. Vor allem nicht im Laden an der Ecke.

Für meine zukünftigen Druckaufgaben werde ich auf jeden Fall Recycling-Papier verwenden. Vielleicht schaffe ich es ja, den ein oder anderen Bürospezialisten hier in Braunschweig dazu zu überreden, das auch offline zum Kauf anzubieten. Immer wieder nachfragen heißt die Devise, wer macht mit? ?

Was die Farbe betrifft, werde ich die Bio-Farben nochmal genauer recherchieren, wenn meine Altbestände aufgebraucht sind. Und auch nachfüllen lassen steht dann auf dem Plan. Was die Spar-Tools auf dem Rechner betrifft, die werde ich bald mal ausprobieren!

Und wenn mein Drucker irgendwann den Geist aufgibt, weiß ich schon worauf ich beim Neukauf achten kann: Der blaue Engel hat jetzt auch Drucker zertifiziert. Für die nächsten größeren Druck-Projekte würde ich übrigens zu Oeding Druck in Braunschweig gehen. Das eingesessene Unternehmen, dem Nachhaltigkeit sehr wichtig ist, habe ich erst am Ende meiner Recherche entdeckt.

Was habt ihr für Erfahrungen mit Schreibwaren und Druck gemacht, seid ihr schon nachhaltig unterwegs? Habt ihr euch über die ökologische „Seite“ beim Drucken schon Gedanken gemacht und eine Lösung für euch gefunden? Berichtet doch davon in einem Kommentar!

2 thoughts on “Drucken: Mit Erdöl oder Soja

  • Mein Vater besitzt ein Unternehmen von Metallprodukten und möchte bald einige Kataloge drucken und damit Werbung machen. Er möchte das am umweltfreundlichsten machen. Ich wusste nicht, dass es Tone auf Soja-Basis existieren. Das wird er bestimmt interessant finden, Danke!

    • Hallo Laura,

      es freut mich, dass sich dein Vater für umweltfreundliches Drucken entschieden hat. Wenn du Lust hast, berichte doch mal von euren Erfahrungen, falls ihr es mit Soja-Toner oder auch auf andere Weise probiert habt.

      viele Grüße,

      Juana

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