Wie man sich bettet so liegt man

Eine der langfristigsten Anschaffungen in einem Haushalt ist sicherlich ein Bett. Jeder braucht es und jeder benutzt es viele Stunden am Tag. Ebenso natürlich das ganze Zubehör, vom Lattenrost über die Matratze bis zum Kopfkissen. Gerade weil ein Bett so viel benutzt wird, ist einerseits die Haltbarkeit von entscheidender Bedeutung und andererseits die Qualität, das bedeutet für mich vor allem die gesundheitliche Verträglichkeit durch schadstofffreie Verarbeitung. Lest hier, worauf es bei Bett und Matratze zu achten gilt und warum die Entscheidung für ein gutes Produkt gar nicht so leicht zu treffen ist.

Holz, nicht nur auf den ersten Blick

Auch wenn Betten, wie andere Möbel auch, oft die verschiedensten Holzmaserungen zeigen – echtes Holz ist heute in den klassischen Möbelhaus-Ketten nur noch selten zu finden. Auch die sogenannten Massivholzbetten haben häufig Füße oder andere Teile, die aus Spanplatten bestehen, die mit Folie beklebt wird. Hergestellt werden die Spanplatten durch das Pressen von mit Kunstharzleim versehenen Holzspänen, wie das funktioniert könnt ihr sehr gut auf wikipedia nachlesen. Als besonders günstige Variante wird häufig Klebstoff verwendet, der nach dem Aushärten Formaldehyd ausdünstet. Auch wenn es dafür inzwischen vorgeschriebene Grenzwerte gibt (deren Einhaltung im Einzelfall noch zu prüfen bzw. zu hinterfragen wäre), würde ich kein Möbelstück haben wollen, in dessen nächster Nähe ich täglich viele Stunden verbringe, wenn es diese Stoffe abgibt.

Trotzdem haben Spanplatten grundsätzlich ihre Berechtigung, schließlich tragen sie zu einer besseren Ausnutzung des Holzes bei, da auch kleinste Äste, Holzspäne aus der Holzverarbeitung und Sägemehl für ihre Herstellung verwendet werden können. Beim Einsatz von Spanplatten kann mensch aber darauf achten, dass ein umweltverträglicherer Kleber bei der Herstellung zum Einsatz kam. Was die Haltbarkeit betrifft, ist die Spanplatte aber nicht unbedingt die beste Wahl. Ich habe es schon oft erlebt, dass das aufgeklebte Furnierholz nach kurzer Zeit abblättert. Auch kann man Möbelstücke, die auf diese Weise gefertigt sind, nicht gerade gut nachbessern, wenn sie Kratzer oder andere Macken haben oder vielleicht eine neue Farbe gewünscht ist.

Spanplatte, Sperrholz oder Vollholz – eine Frage der Langlebigkeit und des verwendeten Klebstoffs

Übrigens ist Sperrholz nicht dasselbe wie eine Spanplatte. Während letztere aus kleingehäckselten Holzstückchen zusammengeklebt und gepresst wird (sodass eine separat aufgeklebte Deckschicht zumindest aus optischen Gründen meist nötig ist), besteht Sperrholz aus vielen einzelnen zusammen geleimten Lagen Holz, die unterschiedlich dick bzw. dünn sein können. Durch diesen Aufbau wird das „Arbeiten“ von Holz vermieden, das sich bei Vollholz nicht vermeiden lässt und bei der Aufnahme von Wasser zu Verformungen und Rissen führen kann. Durch die Lagenverarbeitung ist Sperrholz also viel formstabiler und robuster und deshalb Spanplatten vorzuziehen, wenn es um eine lange Haltbarkeit und große Beanspruchung geht. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, was den verwendeten Leim betrifft. Der kann ebenso Formaldehyd ausdünsten oder beispielsweise tierischen Ursprungs sein.

Echtes (Voll-)Holz hat demgegenüber viele Vorteile. Da es ein natürlicher Werkstoff ist, entfallen die Klebstoffe, sodass die Schadstoffbelastung wegfällt. Aber Vorsicht! Auch Massivholz ist meistens nicht komplett unbehandelt. Die Angebote reichen von geölt bis lackiert, sodass auch hier wieder auf die verwendeten Stoffe geachtet werden sollte. Unbehandeltes Holz habe ich übrigens gar nicht gefunden bei meiner Suche, allerdings ist das wohl auch sehr anfällig für Schmutz. Den kann mensch zwar durch Schleifen wieder entfernen, das wäre mir aber – wenn es häufig dreckig wird – zu aufwändig. Da ich aber auch keine Lust hätte, eine lackierte Oberfläche durch komplettes Beizen und Schleifen wieder schick zu machen, bevorzuge ich die geölte Variante. Hier bleibt der Schmutz oberflächlich und kann auch mal feucht abgewischt werden. Zudem können kleine Macken und Dellen bei Bedarf abgeschliffen werden und das Bett ist ohne großen Aufwand wieder wie neu.

Auf der Suche nach einem Massivholzbett in der Region

Schon vor der eigentlichen Recherche hatte ich also beschlossen, dass es ein Massivholzbett werden soll, damit es ein Leben lang hält. Und ich wollte es gern in einem Geschäft vor Ort kaufen um den lokalen Einzelhandel und das Handwerk zu stärken. Allerdings ist die Auswahl begrenzt, wenn mensch ein gewisses Budget nicht überschreiten möchte.

In und um Weimar habe ich ein paar Tischler gefunden, die scheinbar gute Betten bauen, viele davon auch mit metallfreien Verbindungen (für diejenigen von euch, die besonders empfindlich sind oder die ihre Elektronik im Schlafzimmer nicht verbannen können und entsprechend mehr Magnetfeldern ausgesetzt sind, könnte das interessant sein; siehe zum Beispiel hier). Aber beim Tischler ist ein Massivholz-Bettgestell (ohne Lattenrost) erst ab circa 400 Euro (90 x 200 cm) zu haben. Eigentlich ein vertretbarer Preis, wenn mensch die Lebens- und Nutzungsdauer betrachtet. Trotzdem war es für den Gesamtpreis des Bettes dann doch zu viel, wie ihr weiter unten sehen werdet.

Einen richtigen Bettenhandel oder ein regionales Möbelhaus habe ich nicht gefunden. Auf der Suche nach Betten bin ich hauptsächlich auf online-Händler gestoßen und die großen Ketten mit ihren Thüringer Filialen. Aber ich habe das Familienunternehmen geborgenschlafen aus Jena kennen gelernt, das auch eine Filiale in Erfurt betreibt. Wahrscheinlich gibt es auch noch andere solcher Bettenfachgeschäfte, die auch selbst hergestellte Betten vertreiben.

Im Gespräch mit Thomas Winkler, einem der Geschäftsführer und jemand, der auch selbst Verkaufsgespräche führt, fällt mir auf, dass die Herstellung guter Produkte (in diesem Fall schadstofffreier, metallfreier und qualitativ hochwertiger Betten) und die Bevorzugung und Unterstützung von regionalen Kleinunternehmen eine Kombination ist, die stark auf den Preis schlägt. Denn die kleinen Unternehmen fertigen meist in Manufakturen oder zumindest in kleinen Serien. Das spiegelt sich natürlich in den Preisen wider. Um die guten Produkte „massentauglich“ zu machen, ist auch eine entsprechend größere Massenfertigung notwendig, um den Preis zu drücken. Außerdem muss meist zusätzlich an feinen Details gespart werden, um nicht zulasten der „größeren“ Anliegen, wie gesundheitsverträgliche Leime oder langlebige Holzstärke zu gehen.

Warum das Geld den Kauf entscheidet und welche Konsequenzen das hat

Entschieden habe ich mich nun für ein Massivholzbett aus einer Discounter-Möbelhaus-Kette, noch dazu im online-Handel bestellt, da das Bett nur so zu haben war. Da ich im lokalen Einzelhandel – inklusive der Möbelhausfilialen – schlichtweg kein bezahlbares (und innerhalb von 1-2 Wochen lieferbares!) Massivholzbett gefunden habe, finde ich die online-Bestellung für mich vertretbar und natürlich praktisch. Wobei wir das Bett letztendlich sowieso von einer Packstation abholen mussten. Das Holz des Bettes ist laut Händlerangaben FSC-zertifiziert. Ob das reicht, ist eine andere Frage, die zu beantworten mir der Aufwand gerade zu groß ist. Wenn jemand hier schon Erfahrungen, oder einen passenden Link hat, immer her damit!

Der Kauf im Möbelhaus-Discounter ist letztendlich tatsächlich dem Preis geschuldet, dabei haben wir trotzdem 180 Euro (90 x 200 cm) dafür bezahlt. Ich rede mir ein, dass dieser im Verhältnis trotzdem sehr günstige Preis dadurch zustande kommt, dass das Bett eben in Massen hergestellt und dadurch billiger angeboten werden kann. Ich kann nur hoffen, dass die Herkunft des Holzes und die Verarbeitung wirklich fair sind und dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe eingesetzt wurden. Genauere Informationen gibt es dazu nämlich nicht und durch die Schwierigkeit überhaupt ein Massivholzbett in der Preiskategorie zu finden, habe ich mir das Nachhaken auch gespart.

Beim Aufbau ist mir aber doch nochmal einiges klar geworden: Das Massivholzbett ist in Stabverleimung ausgeführt. Auch das kann je nach Leimung natürlich wieder Formaldehyd und andere Stoffe ausdünsten. Der zweite Punkt sind die Schraubverbindungen. Eine der vielen Schrauben hat beim Zusammenbau scheinbar so eine ungünstige Stelle erwischt, dass es den Holzstab an einer Stelle herausgedrückt hat. Und da die Schrauben auch alle direkt ins Holz gehen, ist hier ein mehrmaliger Auf- und Abbau eher abzuraten. Eine Investition für die Ewigkeit ist es also nur, wenn es einfach so aufgebaut bleibt, wie es ist. Vor allem allen jungen Leuten würde ich deshalb trotz Mehrpreis zu einem Vollholzbett ohne Metallverbindung raten, da diese auch nach dem x-ten Umzug noch robust zusammengebaut werden können. Und dann lohnt sich auch der Preis!

Naturkautschuk als Alleskönner

Was die Matratze betrifft, habe ich ein besseres Gefühl. Bei der habe ich nämlich bewusst tiefer in die Tasche gegriffen, schließlich lassen sich dadurch die Schlafqualität und Nutzungsdauer im Verhältnis zum Aufpreis deutlich steigern.

Meine letzten Erfahrungen basieren auf einer klassischen Kaltschaum-Matratze aus dem Discounter. Nicht nur, dass sich in der Matratze innerhalb kürzester Zeit trotz regelmäßigen Wendens (und darüber genervt Seins) schon nach kürzester Zeit meine Liegeposition abgezeichnet hat. Auch diese Ansammlung an Kunststoffen und -fasern wollte ich vermeiden – zum einen für ein gesünderes Schlafklima und zum anderen auch, um weiteren Ressourcenverbrauch und Müllproduktion zu vermeiden.

Dass es ein Naturmaterial werden sollte, war also schnell klar. Bei geborgenschlafen in Erfurt habe ich dann auch die passende und wirklich sehr ausführliche Beratung bekommen und wusste schnell, dass es eine Naturkautschuk-Matratze werden wird. Dass diese Matratze neben der Tatsache, dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, auch noch etwa 15 Jahre halten soll, ohne gewendet werden zu müssen (!), hat mich schnell überzeugt. Außerdem soll sie besonders rückenfreundlich sein, da der Naturkautschuk punktelastisch ist und sich damit sehr gut der Körperform anpassen kann. Dabei stellt sich das Material schnell wieder zurück, wenn man sich herumwälzt, sodass die Wirbelsäule immer bestens entlastet ist – und die Matratze lange hält ohne eine Liegekuhle zu bilden.

Qualität hat ihren Preis

Einziges Manko: Der Preis. Wie sollte es auch anders sein. Nun hat geborgenschlafen aber schon sehr gut verstanden, dass es Sinn macht für den „Ottonormalverbraucher“ auch eine Standard-Matratze anzubieten, die durch Weglassen jedes erdenklichen Zusatzdetails (kein abnehmbarer Bezug, keine Tragegriffe) deutlich günstiger wird ohne an Qualität einzubüßen. Durch das Angebot in wenigen Standardgrößen wird zusätzlich gespart, sodass die Matratze auf 595 Euro (90 x 200 cm) kommt.

Immer noch ein stolzer Preis, aber wenn man sich überlegt, dass mensch für dieselbe Nutzungsdauer ohne Liegekuhle mindestens zwei Kaltschaummatratzen benötigt, die beim Discounter pro Stück auch mal schnell 300 Euro kosten können, so lohnt sich das Ganze eben doch. Vom positiven Effekt auf den gesunden Schlaf ohne Schadstoffe mal abgesehen. Übrigens kann man auf den Seiten des Bettenfachgeschäfts auch nachlesen, dass für eine Matratze der Kautschuk von etwa 12 Bäumen über ein Jahr benötigt wird. Da erscheint mir der Preis doch gar nicht mehr so teuer. Stellen wir uns vor, die Bäume wüchsen im globalen Norden – der Preis wäre um ein Vielfaches höher!

Übrigens ist auch bei Naturkautschuk-Matratzen Vorsicht geboten. Da das Interesse daran wächst, haben auch schon viele Matratzen-Händler solche Naturlatex-Matratzen im Angebot. Diese bestehen aber häufig nur teilweise aus Naturkautschuk und werden durch synthetische Materialien ergänzt. Und auch bei 100%igen Naturkautschuk-Matratzen lohnt sich ein genaueres Hinschauen. Denn viele Hersteller mischen dem Naturkautschuk bei der Vulkanisierung chemische Stoffe bei, die nicht gerade unbedenklich sind. So steht z.B. die Ausdünstung von Nitrosaminen bei derart hergestellten Matratzen stark in der Kritik aufgrund des Verdachts krebserregend zu sein.

Wie bei vielen anderen (Alternativ-)materialien auch, ist natürlich auch die Herkunft des Kautschuks zu beachten. Hierzulande wachsen die Bäume nicht (oder nicht in der Menge? Ich habe einen Gummibaum zu Hause, der harzt ganz ordentlich 😉 ) und in den Herkunftsländern werden oft (Regen-)Wälder gerodet um Plantagen anzulegen. Dieses Prinzip ist überall das Gleiche, ob es um Soja, Palmöl, Bananen, Kaffee oder eben Naturkautschuk geht.

Geborgenschlafen gibt an, dass der verwendete Naturkautschuk aus Sri Lanka stammt und zertifiziert ist. Ich möchte mir an dieser Stelle nicht auch noch die Mühe machen, dies zu hinterfragen und vertraue dem Unternehmen, weil mir die Philosophie des Familienbetriebs ein gutes Gefühl vermittelt.

Zu guter Letzt: Der Lattenrost

Nachdem das Bett und die Matratze zusammen schon teurer waren als zuvor geplant und auch die Recherche viel zu viel Zeit eingenommen hat, habe ich es mir mit dem Lattenrost einfach gemacht und habe ihn zusammen mit einem Rollo (das es in der Größe auch nirgendwo anders gab..) im schwedischen Möbelhaus gekauft.

Der Rahmen des Lattenrostes besteht zum Teil auch aus Massivholz, den größten Teil macht aber Sperrholz aus. Gerade die Leisten sind aus dünnen Furnierholz-Schichten zusammengeklebt und mit Folie beschichtet, das scheint bei den heutigen Lattenrosten auch Standard zu sein. Ich bin der Meinung man riecht das auch, da bin ich durch den Artikel aber sicher auch schon vorbelastet. Ich hoffe nur, dass es sich nun insgesamt in Grenzen hält, was die Formaldehyd- oder andere Schadstoffbelastung betrifft. Schade, dass man eben doch aufgrund des Preises immer Kompromisse eingehen muss. Irgendwas läuft da doch falsch!

Positiv überrascht war ich bei dem IKEA-Paket dann aber doch: Es gab kein einziges Stück Styropor in der Verpackung. Bis auf die Folie, in der die Schrauben verlustsicher aufbewahrt waren, war in dem Paket nur Papier und Pappe zu finden. Letztere war nämlich so sandwich-strukturiert aufgebaut, dass sie das frühere Styropor, was die Pack- und Dämpfungseigenschaften betrifft, scheinbar gut ersetzen konnte. Na, immerhin kann mensch sich so auch über einen Fortschritt bei den großen Möbelketten freuen. Die haben schließlich entsprechend ihrer Größe auch einen erheblichen Einfluss und damit verbunden eine Verantwortung zu tragen!

Fazit

Ich freue mich, mal wieder eine Investition in die Zukunft getätigt zu haben. Das Bett und die Matratze selbst vermitteln mir ein gutes Gefühl, was die Langlebigkeit und die gesundheitliche Verträglichkeit betrifft.

Trotzdem habe ich mal wieder gemerkt, dass es viel Zeit und Nerven kostet, wenn mensch sich nicht mit dem zufrieden geben will, was in der Masse in den Märkten vor Ort ausgestellt ist. Es ärgert und frustriert mich, dass es die guten Produkte immer noch nicht in den Massenmarkt geschafft haben (in dem Sinne, dass sie einfach durch ihre Verkaufszahlen günstiger geworden sind). Oder liegt es am Ende gar nicht an der Massenfertigung, weil sich eine Reduzierung des Preises auf das Niveau der anderen heute verbreiteten Produkte damit allein gar nicht erzielen lässt?

Wie seht ihr das, habt ihr Erfahrungen mit euren Schlafplätzen gesammelt oder seid ihr vielleicht sogar aus der Branche?

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