Digitale Revolution vs. Energiewende

Alle reden heute von Digitalisierung. Das sei die Zukunft und biete viele Möglichkeiten – von der Papiereinsparung bis zur Effizienzsteigerung. Aber auch die Energiewende ist in aller Munde. Warum diese beiden Themen auch sehr konträr sein können und welche Möglichkeiten es gibt, beides in Einklang zu bringen und mit mehr Nachhaltigkeit zu verbinden, lest ihr in diesem Artikel.

Weimar goes Ecosia

Bereits bei unserem ersten Besuch in Weimar habe ich einen Eindruck davon gewonnen, wie nachhaltig die Leute hier teilweise orientiert sind. So habe ich zum Beispiel im Supermarkt mit einem Mädel gesprochen, die mir erklärt hat, dass sie die Waren erstmal über Ecosia sucht und dann entscheidet, ob sie sie kauft. Da dachte ich noch, Ecosia wäre eine App, über die mensch Details von Produkten erfährt, die eine Kaufentscheidung erleichtern.

Umso überraschter war ich, als ich herausfand, dass es sich einfach nur um eine Suchmaschine handelt. Aber Ecosia ist nicht irgendeine Suchmaschine, sondern eine, die Bäume pflanzt. Ja, Bäume. Denn Ecosia verwendet den Großteil ihres Gewinns für das Pflanzen von Bäumen, um so einerseits CO2 zu binden und andererseits durch die damit verbundene Arbeit den Menschen vor Ort ein besseres Leben zu ermöglichen. Da die Suchmaschine im Gegensatz zu einigen anderen, die ich zum Teil ausprobiert habe (z.B. unbubble1, metager, …) auch sehr brauchbare Ergebnisse liefert, bin ich gleich umgestiegen. Denn für den Benutzer ändert sich ja nichts. Warum sollte mensch also die Gelegenheit verschenken, Bäume zu pflanzen? Einfacher kann Klimaschutz doch nicht sein!

Surfen für einen guten Zweck?

Oder? Wer jetzt glaubt, er müsse nur ganz viel im Internet surfen und schon sei der Regenwald wieder aufgeforstet, der irrt gewaltig. Denn auch wenn Ecosia die durchschnittliche CO2-Emission einer digitalen Suche nach eigenen Angaben durch das Pflanzen von Bäumen überkompensiert2, brauchen die Server für die Suche eben enorm viel Energie. Hinzu kommt, dass die für die Suche bei Ecosia verwendeten Server bei Bing nicht mit Ökostrom betrieben werden3. Dies ist neben der Tatsache, dass Ecosia selbst eben auch noch (zusätzliche) Server (gegenüber der direkten Suche bei Bing oder Google) benötigt, eins der Argumente von Kritikern.

Google hat mal beziffert, dass eine Suchanfrage 0,3 Wh Energie benötigt4. Klingt erstmal wenig, ist aber bei 20 Suchanfragen schon so viel, wie eine 6 W Energiesparlampe verbraucht, die 1 Stunde lang angeschaltet ist.

Ich habe für diesen Artikel so einige Suchanfragen durchgeführt und bestimmt schon 50 Seiten aufgerufen. Im Alltag benutze ich täglich die Suchmaschine, schätze mein Surfverhalten aber mit vielleicht 5-10 Anfragen pro Tag als vergleichsweise gering ein. Da ist allerdings oft Google-Maps dabei und das benötigt vermutlich nochmal mehr Rechenleistung (wenn nicht beim Server, dann zumindest was die Grafik auf meinem Rechner betrifft, würde ich jetzt mit meinem Halbwissen mal behaupten). Mensch kann sich bei seinem eigenen Internetbedarf auch leicht verschätzen glaube ich, denn es gibt auch Tage, bei denen ich beruflich viel im Internet suche oder durch ein bestimmtes Vorhaben (Urlaub planen, Produkte suchen, Restaurants suchen, …) viel häufiger die Suche benutze. Und das geht nicht nur mir so:

Das Internet ist nicht umsonst

Greenpeace zeigt im aktuellsten Clicking Clean Report, dass in einem Jahr 1,8 Billiarden (!) kWh Energie, also 1 800 TWh allein für den IT-Sektor aufgewendet wurden. Zum Vergleich: Deutschland hat nach ebendieser Statistik im selben Jahr 540 TWh verbraucht. Im „Ländervergleich“ hat die globale digitale Welt nach China und den USA den drittgrößten Energieverbrauch. Mensch muss sich also wirklich mal vor Augen führen, dass allein der IT-Sektor im Jahr einen Stromverbrauch nach sich zieht, den sonst ein ganzes Land verursacht. Etwa die Hälfte des Energiekonsums aus dem IT-Bereich ist übrigens auf den Verbrauch der Endgeräte und Server zurück zu führen. Das bedeutet, dass wir alle durch unseren eigenen Digital-Konsum viel dazu beitragen, wie hoch dieser Energieverbrauch ist!

Die heute überall verfügbare Quelle allen Wissens hat also ihren Preis. Und wir sollten uns öfter mal fragen: Muss ich das jetzt wissen? Muss ich das jetzt anschauen? Vielleicht doch lieber mal ein Buch lesen, statt stundenlang youtube-Videos zu gucken.

bewusste Online-Recherche

Leider habe ich bei meiner (Internet-)Recherche keine Information dazu gefunden, welchen Unterschied es macht, ob mensch URLs direkt eingibt oder die Google-Suche bemüht. Denn nach meinem Verständnis müsste das direkte Eingeben der URL deutlich effizienter sein, weil es ein bekanntes Ziel gibt, das aufgerufen wird und nicht millionen-weise Daten erst durchsucht werden müssen. Aber wer kennt das nicht: Statt kurz mal über die genaue Adresse nachzudenken, die mensch öfter benutzt, gibt mensch das Stichwort eben schnell in die Suchmaschine ein, ist ja kaum ein Klick mehr. Ich habe mir vorgenommen, mehr mit Lesezeichen und mit meinem Gedächtnis zu arbeiten – schadet sicher nicht 😉 Auf jeden Fall nutze ich seit diesem Gedankengang öfter das Drop-Down-Menü in der Adresszeile, das merkt sich ja sowieso schon so einiges in meinem Verlauf und hilft meinem Gedächtnis somit auf die Sprünge.

Was aber noch wichtiger ist: Einfach mal öfter gar nicht im Internet „rumhängen“! Glücklicherweise bin ich sowieso meist nur mit einer bestimmten „Mission“ im Internet unterwegs und klicke nicht einfach nur aus Langeweile im Netz herum. Trotzdem gibt es öfter Situationen, bei denen ich viel zu viele Tabs gleichzeitig öffne, weil alles interessant ist – und am Ende schaffe ich es zeitlich doch nicht mehr sie zu lesen. Das Laden war dann umsonst.

Internet immer und überall

Hinzu kommt das mobile Surfen. Wenn ich allein unterwegs bin, habe ich viel zu oft das Bedürfnis auf’s Handy zu schauen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. In manchen Fällen ist das sicher hilfreich, wenn ich ohnehin etwas zu erledigen habe, das ich dann einfach schon mal beim Warten an der Bushaltestelle tun kann und somit später nicht mehr tun muss. Aber häufig sind diese Dinge schnell erledigt und trotzdem greife ich nach kurzer Zeit wieder zum Smartphone. Ich merke auch schon seit Längerem, dass meine Augen wieder kurzsichtiger geworden sind. Kein Wunder!

Damit meine Augen sich also mal erholen können und auch die Ökobilanz beim Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht durch den höheren Energieverbrauch wieder verschlechtert wird, werde ich in Zukunft das Handy öfter mal in der Tasche lassen. Den ersten Schritt habe ich schon getan, indem ich gerade bei den Leuten, die ich häufiger kontaktiere eher kurz anrufe, wenn Gesprächsbedarf besteht, statt über Stunden Nachrichten zu schreiben. Und ganz ehrlich: Es ist viel schöner, sich die Stadt mal aus der Nähe anzuschauen, als ständig mit (auf’s Handy) gesenktem Blick herum zu laufen oder zu stehen. So erlebt mensch zum Beispiel, wie die Kirschen langsam reif werden, erhascht einen Blick auf den Nestbau eines Vogels oder kommt ins Gespräch mit einem sympathischen Menschen, der vielleicht jeden Tag dieselbe Strecke mit dem Bus fährt.

Wenn schon Energie, dann erneuerbar!

Wenn die digitalen Medien schon so viel Energie benötigen, dann sollte diese wenigstens aus erneuerbaren Quellen stammen, um den ökologischen Fußabdruck nicht noch mehr zu vergrößern. Die nächsten Abschnitte zeigen ein paar Beispiele auf, welche digitalen Energiefresser um uns herum präsent sind, und geben zum Teil Anregungen, sich für ökologische Anbieter zu entscheiden.

Hosting

Da ich für diesen Artikel schon viel „digitale Energie“ verbraucht habe, ist es umso wichtiger, dass der Blog, den ihr hier lest, wenigstens mit Ökostrom gehostet wird. Wer eine eigene Webpräsenz betreibt, sollte sich also auch am besten im Vorfeld schon damit auseinander setzen welchen Hoster er*sie wählt und sich idealerweise für einen Server-Betrieb mit Ökostrom entscheiden. Auf utopia gibt es eine Übersicht zu Hostern, aus der hervor geht, welche Anbieter aus ökologischer Sicht besonders gut abschneiden. Leider ist meiner nicht ganz an vorderster Front dabei, sondern gehört zu denen, die TÜV-zertifizierten Ökostrom beziehen5. Aber immerhin.

Nachhaltige Email-Adresse

Viel wesentlicher, da es fast alle Menschen betrifft, ist wohl die Auswahl des digitalen Briefkastens, nämlich des Mail-Providers. Das Versenden einer Email verursacht laut swr3 einen CO2-Ausstoß von 10g. Für einen Brief sind es doppelt so viel, nämlich 20g. Leider ist nicht ersichtlich, aus welchen Komponenten sich diese Bilanz zusammensetzt und ob sie durch die Verwendung von Ökostrom auf Null sinkt. Jedenfalls schreiben wir deutlich mehr Emails als Briefe, und weil es so einfach und schnell geht, denken wir oft gar nicht darüber nach, ob das jetzt überhaupt nützlich ist und sich eine Angelegenheit nicht viel besser im persönlichen Gespräch klären lässt. Übrigens kommt es auch darauf an, ob wir die Mails mobil abrufen oder zu Hause schreiben, wie Ralph Hintemann vom Borderstep Institut in Berlin auf Deutschlandfunk erklärt, da könne schon der Faktor 10 im Energieverbrauch dazwischen liegen.

Wie sieht es nun aber mit der Anbieterwahl aus, wenn es um das Email-Postfach geht? Ich bin da ganz beständig bei meinem Anbieter geblieben, den ich seit Beginn meiner Internetzeit an mal gewählt hatte, das war in meinem Fall GMX. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich auch noch weitere Email-Adressen bei anderen Anbietern habe. Ich glaube, das haben früher viele Leute so gemacht, um einfach auszuprobieren, wo die Unterschiede sind. Oder wenn mensch aus der unseriösen Erstadresse mal eine ernsthaftere machen wollte. Doch diese Leichen an Email-Konten bedeuten auch vorgehaltenen Speicherplatz – und somit Strom- und weiteren Ressourcenverbrauch für den Betrieb der entsprechenden Server, auf denen sich der Speicher befindet.

Dieser Gedanke hat mich zu der Frage geführt: Brauche ich überhaupt mehr als ein Postfach? Mein altes bei WEB.de habe ich jedenfalls seit so vielen Jahren nicht benutzt, dass ich überrascht war, dass ich mich überhaupt noch einloggen konnte. Es gibt auch Anbieter, die löschen die Konten nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität. Allerdings hatte ich bei WEB.de mal eine Weiterleitung eingerichtet, das ist vielleicht schon genug Aktivität. Auf jeden Fall hat diese Weiterleitung dazu geführt, dass ich mich mit dieser Mail-Adresse seit sehr vielen Jahren nicht mehr auseinandergesetzt habe.

Zeit, das jetzt zu ändern. Eine kurze Recherche über Outlook zeigt, dass ich nur von einer Institution regelmäßig Post über web.de bekomme. Und ich entdecke noch etwas interessantes: Ich habe mich schon immer gefragt, warum ich nervige Emails von Instagram zur Aufforderung zum Anmelden bekomme, obwohl ich dort nie ein Konto eingerichtet habe. Nun stellt sich heraus, dass scheinbar jemand einen Fake-Account mit meiner quasi nie benutzten Email-Adresse dort eingerichtet hat. Ich konnte mir über den „Passwort vergessen“-Prozess nämlich einen Link zum Zurücksetzen generieren. Gut, dass ich dies jetzt herausgefunden habe, so kann ich diese Verknüpfung gegenüber Instagram gleich aufheben und in diesem Zuge auch das web.de-Konto komplett löschen.

Übrigens ist nicht nur das Löschen alter Email-Konten ein wichtiger Schritt, um nachhaltig Ressourcen zu schonen, auch das Löschen von Emails, die mensch nicht mehr benötigt, und die unnötig auf Servern liegen, ist ein wichtiger Aspekt. Was ich mich dabei allerdings frage: Ist der Stromverbrauch nicht eigentlich nur abhängig von der vorgehaltenen Größe des Postfaches? Oder werden Festplatten bei Bedarf erst zu- oder abgeschaltet, wenn sich Daten darauf befinden? Dann würde für den vorgehaltenen Speicherplatz nur der Ressourcenverbrauch für die Herstellung der Festplatte, die im „standby“ wartet, zu bilanzieren sein, einen Stromverbrauch gibt es dann wirklich erst, wenn sich Daten dort ansammeln. Öfter Löschen wäre also wirklich sinnvoll. Zeit, auch eine Mail an GMX zu schreiben.

Nun gibt es unter den vielen Email-Providern auch welche, die ökologischer arbeiten als andere. Das bedeutet in erster Linie, dass sie mit möglichst gutem Ökostrom (siehe mein Artikel im Februar) arbeiten. GMX ist da leider nicht an vorderster Front dabei, zwar gibt der Provider an, mit Ökostrom zu arbeiten, aber nicht, woher er diesen bezieht. Das habe ich in meiner Mail an den Anbieter auch gleich mit gefragt. Mailbox.org und posteo.de sind laut utopia in dieser Hinsicht besser aufgestellt. Aber soll ich jetzt wechseln? Meine Email-Adresse zu ändern erscheint mir als eine nicht sehr angenehme Situation, ähnlich der des Telefonnummern-Wechsels. Zu viele Menschen, auch alte Bekannte, haben noch meine alte Email-Adresse. In zu vielen Verteilern bin ich mit dieser Adresse drin und es wäre ein großer Aufwand alles zu ändern. Zusätzlich hätte ich Angst, welche zu vergessen. Aber beide Email-Provider zu benutzen und einfach eine neue Mail-Adresse einzurichten, kommt für mich auch nicht in Frage, schließlich ist das ja nur ein Mehrverbrauch und kein Wechsel zu grünerem Strom.

Da GMX immerhin den Ökostrom angibt, werde ich nicht wechseln, habe ich beschlossen. Aber ich habe ja nachgehakt und mein Anliegen geschildert. Vielleicht tut sich dann was. Und immerhin kann ich durch die Beseitigung meiner Altlasten in Form alter, ungenutzter Email-Konten ein wenig Ressourcen freigeben. So frei fühlt es sich übrigens auch an! 😉

Cloud

Ein weiterer Ressourcenfresser, den die Digitalisierung mit sich bringt sind die sogenannten Cloud-Speicher. Die Möglichkeit, jederzeit und überall auf die eigenen Daten – ob Musik, Filme, Emails oder andere Dateien – zugreifen zu können, bewegt heute viele Menschen dazu, ihre Daten nicht mehr auf der eigenen Festplatte, sondern in der Cloud abzulegen. Meistens aber vermutlich an beiden Stellen, was ohnehin schon einer Verdoppelung der Daten und somit einer Verdoppelung der Ressourcen (Speicherkapazitäten) entspricht.

Das Speichern in der Cloud ist aber der eigentliche Energie-Fresser. Denn damit die Daten auch immer und überall verfügbar sind, müssen die Server, auf denen die Daten liegen auch immer laufen. Sie sind also permanent eingeschaltet, verbrauchen Strom und müssen gekühlt werden, was zusätzlichen Energiebedarf bedeutet.

Ich persönlich konnte der Cloud bisher noch nicht viel abgewinnen, vor allem aus Datensicherheitsgründen finde ich es befremdlich, alles auszulagern. Deshalb habe ich zu diesem Thema noch gar keinen persönlichen Bezug und kann mich aus ökologischer Sicht entspannt zurücklehnen und alles so lassen wie es ist.

Streaming-Dienste

Wenn mensch sich den Clicking Clean Report von Greenpeace genauer anschaut, findet mensch noch viele andere online-Dienste, die sicher der eine oder die andere verwendet. Ich fühle mich zum Beispiel ertappt beim Musik-Streaming-Dienst spotify und bei netflix. Beide sind im Report tiefrot dargestellt, weil sie nicht mit Ökostrom arbeiten. Spotify habe ich auf einigen Geräten installiert, obwohl ich es sehr selten benutze. Früher habe ich auch deezer mal benutzt, um Musik zu streamen. Auch hier muss ich mir mal überlegen, was ich generell nutzen möchte und alles andere konsequent abmelden. Als Streaming-Anbieter für Filme und Serien nutze ich schon regelmäßig netflix, wobei der Account selbst nicht über mich läuft. Ich könnte also argumentieren, dass es den Account ja ohnehin geben würde. Andererseits kann ich mich als Mitnutzer auch in der Verantwortung fühlen, auf vielleicht bessere Alternativen hinzuweisen. Allerdings habe ich mich damit noch nicht auseinander gesetzt… falls ihr Vorschläge habt, immer her damit!

Apps

Die mobilen Anwendungen sind aus der heutigen Welt auch nicht mehr wegzudenken und es gibt inzwischen für jeden Schnickschnack eine App, mal mehr, mal weniger nützlich. Auch hier lohnt sich die Frage, welche Apps mensch wirklich braucht und welche mensch nur aus Affinität zur Technik, aus Neugier oder zum Zeitvertreib installiert hat. Damit will ich nicht sagen, dass dies alles nicht auch legitim ist. Wichtig dabei ist, sich bewusst dafür zu entscheiden.

Möchte ich gerade die Seele baumeln lassen und mich ganz in ein vielleicht eher sinnfreies Spiel vertiefen, ist das ja völlig in Ordnung. Und wenn ich mal ausprobieren möchte, ob mir die Schlaf-App Tipps für einen ausgeruhten Start in den Tag geben kann, ist das doch auch gut. Nur brauche ich all diese Dinge sicher nicht ständig.

Wir sollten also überlegen, welche Apps wir wirklich nutzen wollen, weil sie uns einen Mehrwert geben und regelmäßig überprüfen, welche wir nicht mehr brauchen. Denn auch im Hintergrund verbrauchen die meisten installierten Apps viel Strom. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch nervig, weil mensch das Handy ständig laden muss. Auch die häufigeren Ladezyklen, die die Lebensdauer der Smartphones nicht gerade verlängern, wären hier noch zu nennen.

Doch auch bei den Apps, für die wir uns bewusst entscheiden, können wir noch einiges tun, um den Stromverbrauch zu minimieren. Nicht nur durch die Häufigkeit ihrer Nutzung (vielleicht reicht auch zweimal am Tag whats-App lesen, dann laufen wir nicht wie Zombies durch die Gegend), sondern auch durch die Art der Nutzung. Vor allem das Teilen großer Datenmengen (Fotos, Videos, Voice-Nachrichten) ist natürlich sehr energie-intensiv. Und wenn diese Daten auch noch mit vielen Leuten geteilt werden, lagern sie zum Teil x-fach auf verschiedenen Servern. Dies ist übrigens neben dem Datenschutz ein Grund, warum ich einen Großteil meiner mobilen Kommunikation inzwischen über Telegram abwickle und über whats-App nur noch in Ausnahmefällen Bilder oder andere größere Daten verschicke. Denn dort wird seit einiger Zeit alles gespeichert, und dies können Nutzer*innen leider auch nicht ändern. Bei Telegram gibt es die sogenannten „geheimen“ Chats, hier wird gar nichts gespeichert. Die Speicherkapazitäten und damit der Stromverbrauch für die Server wird damit drastisch reduziert.

Mit Energie spielt mensch nicht

Das Internet und die heutigen Rechnerleistungen haben noch andere energieintensive Zeitvertreibe hervorgebracht. Angefangen bei Online-Spielen, die immer aufwändiger werden. Reality-Apps auf dem Handy wie Pokémon Go werden immer beliebter. Den Gipfel erreicht das Spiel mit der Rechenleistung bei der Erzeugung von Bitcoins. Diese digitalen Zahlungsmittel rühmen sich zwar mit ihrer Unabhängigkeit von Banken und ihrer Anonymität, aber die Erzeugung der Bitcoins ist funktionsbedingt energieseitig gesehen ein riesiges schwarzes Loch. Im Dezember 2017 hat die digitale Währung 32,7 TWh Strom verbraucht, das entspricht dem Endenergieverbrauch von ganz Dänemark!6

Auch an dieser Stelle bin ich froh, dass ich schon immer lieber offline lustige Gesellschaftsspielrunden gespielt habe, statt anonym mit Leuten aus aller Welt im Internet. Und auch wenn ich mich für Technik aller Art durchaus begeistern kann, hatte ich nie große Lust, mich mit neuen Hypes auseinander zu setzen, sofern ich nicht einen erheblichen Mehrwert für mein persönliches Alltagsleben gesehen habe. Meist ist mir der Aufwand dafür einfach zu groß und es bedeutet für mich oft mehr Stress als entspannte Tage. So geht es mir übrigens auch mit den sozialen Medien, weshalb ich bisher auch nur facebook wirklich nutze, und auch das ausschließlich für den Blog. Alles andere wäre mir viel zu nervenaufreibend 😉

Fazit: Weniger ist definitiv mehr!

Schon die Länge dieses Artikels zeigt, dass die digitale Welt sich heutzutage in vielfältiger Weise in unserem Alltag etabliert hat, sodass an unzähligen Stellen Handlungsmöglichkeiten für den bewussten Konsumenten bestehen, Energie und Ressourcen zu sparen. Er zeigt auch, dass es manchmal einen Kompromiss geben muss zwischen Praktikabilität und ökologischem Fußabdruck. Ich merke auch, dass in diesem Themenfeld noch viele Fragen offen sind, die ich für mich in Zukunft klären möchte. Ein erster Schritt war schon mal die Kontaktaufnahme mit Hoster und Email-Provider, vielleicht gibt es von dieser Seite bald schon die ersten Antworten.

Bei aller Recherche nach grünen Internetdienstleistungen gibt es in diesem Monat aber eine Erkenntnis, die ich besonders wichtig finde: Weniger ist mehr! In diesem Fall bedeutet es mehr Umwelt- und Klimaschutz durch bewussteren und dadurch reduzierten Gebrauch digitaler Medien. Und das kommt nicht nur der Umwelt zu Gute. Schaut mensch7 etwas seltener auf den Bildschirm, ist das gut für die Augen. Lassen wir Laptop und Handy mal ausgeschaltet, können wir endlich mal wieder entspannen und uns an und mit unserer Umwelt freuen.

In diesem Sinne schalte ich die Kiste jetzt endlich aus und genieße den Ostsee-Urlaub analog!8

Und ihr? Schafft ihr es auch mal ohne Handy oder seid ihr schon süchtig nach der digitalen Verfügbarkeit und Erreichbarkeit?

 

1 https://www.unbubble.eu/ gibt es inzwischen nicht mehr. Aber auf der ehemaligen Seite findet man interessante Links zu anderen alternativen Suchmaschinen, vor allem wenn man sich für Datenschutz-Kriterien oder kindersicheres Internet interessiert.

2 https://ecosia.zendesk.com/hc/en-us/articles/201531072-How-does-Ecosia-neutralize-a-search-s-CO2-emissions-

3 Im Gegensatz dazu kauft Google zumindest Ökostrom-Zertifikate und setzt sich für den Ausbau erneuerbarer Energie-Anlagen ein: https://www.google.com/intl/de_ALL/about/datacenters/renewable/index.html

4 https://www.swr.de/odysso/oekobilanz-des-internets/-/id=1046894/did=21791748/nid=1046894/1jsu4be/index.html, hier gibt es auch weitere interessante Zahlen, z.B. zu CO2 durch Internet

5 Im Februar habe ich darüber berichtet, was „echten“ Ökostrom ausmacht und was es mit dem Zertifikatehandel auf sich hat: http://reflektiert-konsumiert.de/2019/02/13/energiewende-selbst-in-die-hand-nehmen/

6 http://www.sonnewindwaerme.de/panorama/bitcoin-so-hoher-stromverbrauch-daenemark

7 Falls ihr euch wundert, warum ich ständig „mensch“ statt „man“ geschrieben habe, hier eine kurze Erläuterung: Ich habe lange Zeit nicht viel davon gehalten, die Gleichstellung der Geschlechter auch in der Sprache zum Ausdruck bringen zu wollen. Ich empfinde es (aus eigener Gewohnheit) selbst noch als sehr umständlich, darauf zu achten. Wenn mensch aber viel mit diesem Kontext konfrontiert wird, merkt mensch, dass es sich eigentlich ganz natürlich anhört und irgendwie „echt gleich“ anfühlt. Und da wir alle wissen, dass die hochgelobte Gleichberechtigung noch nicht in allen Gesellschaftsbereichen angekommen ist, und die Sprache einen großen Anteil an der Ausprägung einer Kultur hat, glaube ich inzwischen, dass dieser Weg durchaus sinnvoll ist, zumindest um immer wieder die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. In welcher Form ich das in Zukunft dauerhaft verwenden werde, muss sich wohl erst zeigen. Deshalb hoffe ich, dass ihr es mir nachseht, wenn es am Anfang noch nicht so konsistent angewendet wird.

8 Tatsächlich konnte ich erst richtig entspannen im Urlaub, als ich beschlossen hatte, den Laptop nicht mehr anzurühren und die Überarbeitung des Artikels um eine Woche nach hinten zu verschieben.

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