Kaufst du noch, oder „schenkst“ du schon?

Weimar hat wieder einen Umsonstladen! In diesem Artikel geht es um die „neuen“ Räumlichkeiten der Schenke und um das Potential, was noch darin steckt. Erfahrt, warum mich das zugleich freut und ängstigt und welches Projekt ich in diesem Zusammenhang demnächst verfolgen werde.

Ich bin in diesen Tagen hin und her gerissen zwischen Gefühlen von überschwänglicher (Vor-)Freude und Angst. Und das liegt einzig und allein daran, dass sich plötzlich, wie aus dem Nichts, Möglichkeiten zur Realisierung von Projekten ergeben haben, die ich bisher nur „im Hinterkopf“ hatte, aber nicht aktiv verfolgt habe. Die Rede ist von der Einrichtung eines Kein-Müll-Ladens im Zusammenhang mit einem Repair- und Nähcafé.

Schenke sucht Bleibe

Was bisher in Ermangelung an Räumlichkeiten eher ein schöner Gedanke war, als ein echtes Projekt, hat Aufwind bekommen, seitdem ich die neuen Räumlichkeiten der Schenke kenne. Aber der Reihe nach: Die Schenke ist der Umsonstladen in Weimar, der seit etwa einem Jahr eine neue Bleibe gesucht hat. Nachdem das Projekt im April 2018 in der Garage einer WG in der Bauhausstraße begonnen hatte, war diese Unterkunft aus Platzgründen und durch den Auszug der WG für die Schenke nicht mehr zu halten gewesen. Glücklicherweise konnten die gespendeten Sachen bei der Weimarer Tafel eingelagert werden, sodass es in diesem Jahr immerhin ein paar Outdoor-Veranstaltungen gab, bei denen auch die Schenke vertreten gewesen ist. Aufgrund des fehlenden festen Anlaufpunktes, waren diese Umsonst-Straßenflohmärkte daher bis zur letzten Woche auch meine einzigen Kontakte mit der Schenke und ihren Organisatoren.

Alles für lau…

Im Gegensatz zu den Charity-Shops, wie z.B. Oxfam, über die ich schon mal berichtet hatte, geht es bei einem Umsonstladen nicht darum, gespendete Güter durch ihren Verkauf in Geld umzuwandeln um damit lokale oder globale Hilfsprojekte zu unterstützen. Stattdessen geht es um die Waren selbst, die erhalten bleiben und somit genutzt werden sollen. Dass man sie dabei auch noch kostenlos weitergeben möchte hat hauptsächlich den Grund, ihre Weiterverwendung auch wirklich zu fördern. Weniger Müll und weniger Konsum neuer Gebrauchsgegenstände ist die Prämisse. Die Menge und Auswahl der Waren – vom Kristallglas über Kleidung zum DVD-Regal – zeigt, in welcher Überflussgesellschaft wir leben. Denn nur durch zahlreiche Spenden von Gütern aller Art wird dieses Konzept erst möglich! Würde mensch nämlich nicht an jeder Ecke für wenige Euro wieder neue Kleidung, Geschirr, Spielzeug und und und bekommen, wären auch nicht so viele Dinge „über“. Das Angebot richtet sich also ausdrücklich an alle Menschen – ob sie sich nun Neues leisten könnten oder nicht!

… aber (fast) nichts ist umsonst

Das Einzige woran es oft hapert bei einem Konzept ohne Einnahmen sind die Räumlichkeiten selbst. Denn Miete, Strom und andere Nebenkosten müssen für den Umsonstladen eben trotzdem monetär getragen werden und können über die Abgabe der Waren prinzipbedingt nicht gedeckt werden. Die Schenke ist daher, wie viele ähnliche Projekte, auch auf finanzielle Spenden angewiesen. Das ist der Grund, warum es so schwer ist, eine längerfristige und bezahlbare Unterkunft für den Umsonstladen zu finden.

Was hat sich also nun in der Hinsicht ergeben? Sicher habt ihr schon von dem Wohnprojekt der „Alten Feuerwache“ gehört. An der Erfurter Straße 37 soll hier bezahlbarer Wohnraum entstehen, ein Projekt, das durch viele Direktkredite getragen wird und durch das Mietshäusersyndikat vor spekulativem Wiederverkauf geschützt ist. Da das Gelände nach der Neugestaltung auch einen öffentlichen Hofraum beinhaltet, sind auch Gewerberäume angedacht. Auch die Schenke hat hier Interesse angemeldet, Räumlichkeiten zu beziehen. Die Alte Feuerwache konnte von den Bewerbern im September gekauft werden, laut Bauplan wird es jedoch noch etwa 4 Jahre dauern, bis die Sanierung abgeschlossen ist.

Für die Schenke konnte eine Zwischenlösung gefunden werden: Als Gegenleistung für einen kleinen Teil Miete und Arbeitsstunden bekommt die Schenke bereits vor Baustart die alten Räumlichkeiten des ehemaligen Aufenthaltsraums der Feuerwehrleute. Und die geben wirklich viel her! So war der schön geschnittene Anbau links vom Holzturm auch schon als Friseursalon in einem „Tatort“ zu sehen. Neben viel Platz für das zu verschenkende Angebot, das sich teilweise in vorhandenen Einbauschränken präsentieren lässt, bietet die Fläche einige Nebenräume, die als Küche, Lagerraum oder für andere Aktivitäten, zum Beispiel Workshops, genutzt werden können. Klar, irgendwann steht der Abriss an, sodass hier keine langfristigen Schönheitsmaßnahmen unternommen werden, aber für die Zwischenzeit hat der Raum so viel Potential, dass man sich mit der Realisierung verschiedenster Projekte austoben kann!

„kein Müll“-Material und was man damit noch alles machen kann

Und an dieser Stelle kommen meine ganzen Ideen ins Spiel. In Erfurt habe ich im Sommer den Kein-Müll-Laden entdeckt. Was der genau macht und inwiefern er sich von der Schenke oder einem „normalen“ Second-Hand-Laden unterscheidet, werde ich in einem nächsten Artikel noch berichten. Auf jeden Fall habe ich bei der Besichtigung der Räumlichkeiten in der Feuerwache auch gleich eine passende Kein-Müll-Ecke gefunden, die nur darauf wartet, bespielt zu werden. Und wenn mensch sich diesem Gedanken so hingibt und merkt, wie gut das Sammeln von Materialien auch mit anderen Konzeptideen wie dem Reparieren von Kleidung oder dem Upcyceln von ausgedienten Gebrauchsgegenständen zusammenpasst, dann kann mensch schon ganz euphorisch werden.

Und wieso habe ich dann Angst? Na ist doch klar: In Gedanken ist sowas immer ganz toll, doch wenn es „ernst“ wird und man sich festlegen muss, ob man in Zukunft so und so viel Zeit und Muße aufbringen kann und will, um diese Gedanken und Ideen real werden zu lassen, dann kann einen auch schnell mal das Gefühl überfallen, dass das alles vielleicht ein bisschen zu groß oder ein bisschen zu viel ist. Und ich gehöre ja nun auch noch zu dem Typ Mensch, für den oft nur „ganz oder gar nicht“ in Frage kommt. Wenn ich mich also in so ein Projekt stürze, dann möchte ich mich auch richtig reinhängen, dass da am Ende auch was bei rumkommt.

Unterstützung und Eröffnung

Zum Glück muss man ja aber gar nicht immer alles allein machen. Und so bin ich vor lauter Überschwang gleich erstmal in den Verein der Schenke eingetreten (die Unterschrift ist noch frisch, Datum von letzter Woche) und habe festgestellt, dass dort noch einige andere motivierte und engagierte Leute sind.

Wie und was und wie schnell sich das nun alles umsetzen lässt, steht noch in den Sternen. Der erste Arbeitseinsatz ist jedenfalls schon abgeschlossen und die Eröffnung (mit oder ohne Kein-Müll-Ecke) steht schon für den 15. Dezember im Kalender. Das ist schon am kommenden Sonntag, denn dort veranstaltet der Verein der Alten Feuerwache nämlich auch einen Adventsflohmarkt.

Also kommt vorbei und schaut euch die neuen alten Räumlichkeiten der Schenke an. Von 12 bis 18 Uhr werdet ihr erwartet, gern auch mit Warenannahme, wenn ihr schon was los werden wollt. Im nächsten Jahr lädt die Schenke dann jeden Sonntag von 14-18 Uhr zum Stöbern ein. Und wenn ihr noch Lust habt, euch an einem der Neben-Projekte zu beteiligen – die Schenke-Mitglieder und ich freuen uns über jede Rückmeldung und Verstärkung!

 

2 thoughts on “Kaufst du noch, oder „schenkst“ du schon?

    • Hallo Paula,

      danke für’s Anfeuern 😉
      Was das Konzept des Kein-Müll-Ladens betrifft, muss ich aber nochmal kurz auf den Kein-Müll-Laden in Erfurt verweisen: https://keinmuell.wordpress.com/
      Leider ist der Name oft zunächst etwas irreführend, denn es handelt sich nicht um einen Laden, in dem verpackungsfrei eingekauft werden kann. Es geht vielmehr darum, Menschen mit Informationen aus der Überforderung, den die heutige Welt mit ihren unzähligen Konsumangeboten schafft, herauszuholen und Wege aufzuzeigen, wie Dinge, die vermeintlich Müll sind (und hier meine ich nicht Gebrauchsgegenstände o.ä., die in Second-Läden verkauft oder in der Schenke verschenkt werden können) entweder von vornherein vermieden werden oder eben weiter verwendet, d.h. im Kreislauf gehalten werden können. In einem der nächsten Artikel werde ich das nochmal genauer erläutern. Ansonsten kann ich zum Einlesen die Webseite aus Erfurt vorab schon mal empfehlen!

      Bis zum nächsten Mal,

      Juana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*