Energiewende selbst in die Hand nehmen!

Das Thema Ökostrom beschäftigt mich schon lange, die Recherche nach einem wirklich guten Anbieter war mir aber bisher zu aufwändig. Warum mir die Entscheidung gerade jetzt besonders leicht fällt und was ihr bei der Suche nach „echtem“ Ökostrom beachten müsst, erfahrt ihr in diesem Artikel. Außerdem gibt es einen tollen Buch-Tipp, der fachkompetent aufzeigt, dass es gar nicht so schwer ist, uns schon in Kürze zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen, wenn wir nur wollen!

Energiewende einfacher als gedacht

Anstelle einer gründlichen Recherche nach einem passenden Ökostrom-Anbieter habe ich vor wenigen Jahren erstmal ein Buch zur Energiewende gelesen – und zwar eins, das meine persönlichen Überzeugungen bestärkt hat, dass auch in der Energieversorgung von heute schon vieles möglich ist, wenn man nur will! Mit „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin – denn die Energiewende darf nicht scheitern!“ hat mir der Unternehmer und Visionär Matthias Willenbacher die Vorteile und Umsetzbarkeit einer dezentralen Energieversorgung klar gemacht und mich mit dieser Idee so begeistert, dass ich im Anschluss sogar nach Jobs in der Windenergie-Branche gesucht habe.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, eine bürgernahe Stromversorgung erzielen zu wollen, habe ich mich noch schwerer damit getan, „einfach nur“ einen Ökostrom-Anbieter auszusuchen. Denn irgendwie hatte ich das Gefühl damit den Bau von – zwar regenerativen – Anlagen zu fördern, die aber vielleicht gar nicht in der Größenordnung nötig sind. Auch wenn ich einen Windpark einem Braunkohlekraftwerk definitiv vorziehen würde, was die Ökobilanz betrifft, so stellt eben auch der Windpark selbst einen Eingriff in die Natur dar.

Bürgerenergie aus Thüringen – natürlich regenerativ

Meine Weigerung mich weiter mit der Thematik auseinander zu setzen, hat dann vor wenigen Tagen ein Ende gefunden, als ich wie gerufen auf das Stromprodukt einer Bürgerenergiegenossenschaft gestoßen bin. Und zwar auf den Thüringer Landstrom. Dieser wird durch eigene Anlagen von mehreren Thüringer Energiegenossenschaften erzeugt und zur Liefersicherung mit Strom aus einem Wasserkraftwerk in Bayern (Töging) ergänzt. Auf den Seiten der Energiegenossenschaft Ilmtal e.G. sind beispielsweise einige Anlagen in und um Weimar dargestellt mit Details zur Leistung und Nutzung des erzeugten Stroms.

Den von den Genossenschaften erzeugten Strom kann übrigens jeder beziehen, dafür muss man kein Mitglied in der Genossenschaft sein. Auch das Risiko ist klein, denn es sind keine Vorauszahlungen zu leisten und die Kündigungsfristen sind mit einem Monat, auch unterjährig, ziemlich kurz. Wer nicht aus der Region kommt, kann über die Seite der Bürgerwerke nach Energiegenossenschaften in der Nähe suchen und sich seinen Strompreis berechnen lassen. Denn beziehen kann man den dezentral erzeugten Strom bundesweit! So kann jeder einzelne die Energiewende unterstützen und dafür sorgen, dass regionale kleine Erzeuger ein großer Bestandteil unserer Energieversorgung von heute und morgen sind.

Kündigungsfristen im Blick behalten

Meine Begeisterung für den Wechsel zum Thüringer Landstrom wird jäh gebremst, als mir klar wird, dass wir unseren aktuellen Vertrag mit den Stadtwerken Weimar leider erst zum Ende des Jahres wieder kündigen können. Und das Jahr hat gerade erst begonnen! ☹ Auch dies kann man in Zeiten von Umzügen deutlich besser machen! Behaltet also eure Kündigungsfristen im Blick, wenn ihr wie ich „irgendwann unbedingt mal“ Ökostrom beziehen wollt! Ich habe jetzt einen dicken Termin im Kalender, an dem ich den Auftrag für den Thüringer Landstrom rausgeben werde. Denn die kümmern sich, wie viele andere Anbieter auch, um den kompletten Wechsel inklusive Kündigung, auch wenn die Fristen noch nicht herangenaht sind. So wird man die auf keinen Fall verpassen!

Ökostrom, der keiner ist

Auch wenn ich selbst völlig überzeugt bin von der Energieerzeugung in Bürgerhand, möchte ich für diejenigen, die sich lieber einen „klassischen“ Ökostromanbieter suchen wollen, auch noch ein paar Anmerkungen loswerden. Denn Ökotarife findet man ja inzwischen schon bei jedem 0-8-15-Stromanbieter im Portfolio. Aber Vorsicht! Denn häufig ist ein sogenannter „Ökostrom“ nur auf dem Papier ökologisch. Das liegt daran, dass Zertifikate, die regenerativen Anlagen den Ökostrom bescheinigen, auch verkauft werden dürfen. So kann sich jeder beliebige Anbieter, der selbst keinen Ökostrom erzeugt, eine beliebige Menge „Ökostrom“ dazu kaufen.

Für den Endverbraucher von Ökostromprodukten, die mit einem solchen RECS-Zertifikat ausgezeichnet sind, bedeutet das, dass der Strom, den er verbraucht, kein regenerativ erzeugter Strom ist. Im besten Fall wurde zwar die Menge an Strom, die der Kunde verbraucht, regenerativ erzeugt, aber zumeist werden dafür die ohnehin laufenden Wasserkraftwerke, beispielsweise in der Schweiz herangezogen. Durch den höheren Preis des Ökostromprodukts wird also noch nicht mal der Ausbau der regenerativen Energien vorangetrieben.

Im schlechtesten Fall verkauft der eigentliche Erzeuger des Ökostroms denselben Strom aus den regenerativen Anlagen auch noch ein zweites Mal. Dann ist die Rechnung hinfällig, da der Strom nur einmal regenerativ erzeugt wurde, aber zweimal unter dem Ökostrom-Label verkauft wurde. Nachvollziehbar ist das für den Endkunden wohl schwierig. Deshalb mein Rat: Finger weg von RECS-zertifizierten Stromprodukten.

Anbieter für „echten Ökostrom“

Im Rahmen unserer Kündigungsfrist müssen wir leider noch mit unserem aktuellen Stromanbieter und einem nicht gerade kleinen schlechten Gewissen leben. Immerhin hatten wir uns für den Tarif Weimar Strom Öko entschieden, sodass ein Teil der Stromeinnahmen in regionale Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien geht, wie die Stadtwerke mitteilen. Und wo kommt der Strom selbst her? Auf den Seiten der Stadtwerke findet man dazu leider keine befriedigende Antwort. Ein Telefonat klärt mich auf: Ein geringer Anteil kommt immerhin aus Blockheizkraftwerken in Weimar, z.B. in Schöndorf und Weimar West; außerdem gibt es eine eigene Photovoltaikanlage der Stadtwerke, die Strom einspeist. Der überwiegende Teil des Ökostroms wird aber auch hier in Form von Zertifikaten zugekauft und stammt aus dem Alpenraum, eine konkretere Herkunft konnte mir die Dame am Telefon allerdings nicht nennen.

Möchte man „echten“ Ökostrom beziehen, weil der als einziger eine Veränderung der Energieversorgung bewirkt und damit auch wirklich zum Klimaschutz beiträgt, muss man sich die Anbieter also genau anschauen und im Zweifelsfall nachfragen. Es gibt heutzutage aber schon viele Anlaufstellen im Netz, die einem die Suche vereinfachen. Bekannte Stromanbieter, die ausschließlich Strom aus eigenen regenerativen Anlagen erzeugen und vermarkten sind vor allem die Naturstrom AG und Greenpeace Energy. Beide wären für mich eine gute Alternative zur Bürgerenergie. Hier findet ihr auch noch andere Anbieter, die vom Magazin Ökotest bewertet wurden.

Und euer Strom? Kommt der einfach aus der Steckdose oder wisst ihr schon etwas genauer, wo er erzeugt wird?

4 thoughts on “Energiewende selbst in die Hand nehmen!

  • Liebe Juana,

    ich bin gerade auf deinen Blog und vor allem auf diesen Beitrag gestoßen. Ich freue mich über deinen offenen Blick, mit dem du dein Konsumverhalten betrachtest.

    Ich kann dich zu deinem geplanten Wechsel nur beglückwünschen! Ich beziehe ebenfalls den Thüringer Landstrom und bin gleichzeitiges aktives Mitglied bei der Energiegenossenschaft Ilmtal. Wir bieten nächsten Donnerstag (11.04.2019) erstmalig einen offenen Energiestammtisch an, bei denen Fragen aller Art beantwortet werden oder einfach nur geplaudert wird (ab 18:30 im Kartoffelhaus). Bei Interesse bist du gerne gesehen.

    Neben den Glückwünschen kann ich auch einen Dank aussprechen. Du hast die ganze Thematik sehr gut durchdrungen und bist zu einem absolut richtigen Fazit gekommen. „Echten“ (und zusätzlich demokratischen) Ökostrom kann man bei den Energiegenossenschaften vor Ort beziehen. Leider werden uns in den letzten Jahren immer mehr Steine in den Weg gelegt, aber das ist ein anderes Thema. Umso glücklicher sind wir über jede Person, die wir für unsere Idee gewinnen können. 🙂

    Ein kleiner Hinweis: Den Anbieter-Wechsel kannst du sofort in die Wege leiten. Die Bürgerwerke kümmern sich um deine Kündigung und informieren dich über alle Fristen. Mit etwas Glück kannst du sogar schon vor Ablauf der Frist aus deinem alten Vertrag raus.

    Liebe Grüße
    Marcel

    • Hallo Marcel,

      danke für deinen lobenden Kommentar! Es freut mich, wenn ich auch aus eurer Sicht einen Beitrag leisten konnte, das Thema zu durchdringen.
      Ich habe tatsächlich auch selbst schon mit dem Gedanken gespielt, in die Genossenschaft einzutreten.. vielleicht, wenn mal wieder eine ruhigere Phase kommt 😉

      Danke auch für deinen Hinweis mit dem offenen Energiestammtisch. Habt ihr das gestreut? Ich glaube, das ist ein sehr sinnvolles Angebot, das bestimmt auf großes Interesse stößt. Ich treffe häufig auf Menschen, die gern wissen wollen, wo sie denn nun noch verlässlich Ökostrom beziehen können. Da kann so ein Stammtisch bestimmt einen hilfreichen Austausch anstoßen! Bei mir wird es nächste Woche leider nichts. Aber ich würde mich freuen, wenn du mir den nächsten Termin mitteilen würdest (gern auch auf facebook via pn), den kann und würde ich auch sehr gern verteilen.

      Übrigens habe ich schon mit den Bürgerwerken telefoniert, den Stromanbieterwechsel kann man tatsächlich schon innerhalb der Kündigungsfristen anstoßen und muss sich dann um nichts mehr kümmern. Man wird dann automatisch kontaktiert, wenn es soweit ist. Wir mussten allerdings noch die ersten 4 Monate bei unserem aktuellen Anbieter abwarten, die nun rum sind, um nicht drauf zu zahlen 😉

      einen schönen Abend,
      Juana

  • Hallo. Wichtiger Beitrag finde ich. Mit der Wahl unseres Stromanbieters haben wir doch so einiges an Einfluss. Ich finde, dass wird leider oft uebersehen und Leute reden endlos darueber wieviele Plastiktueten ein jeder benutzt. Ist ja auch wichtig, klar, aber man muss halt mal die Verhaeltnismaessigkeit sehen: eine Energiegeossenschaft, die den Ausbau der Erneuerbaren vorantriebt und gleichzeitig noch fuer mehr Demokratie sorgt, macht da schon echt den groesseren Unterschied.

    Ich kenn sonst unter den Grossen noch Prokon, die auch eine Genossenschaft sind und eigene Windparks betreiben.

    Und jetzt mal nicht den Kalendar verlieren 😉

    • Hallo Paula,

      danke für deinen Hinweis! Ich dachte ehrlich gesagt, Prokon wäre komplett insolvent. Ich habe nun mal nachgeschaut – und tatsächlich – Prokon wurde im Zuge der Insolvenz zu einer Energiegenossenschaft umgewandelt! Gut zu wissen 🙂

      Inzwischen ist mir die Verhältnismäßigkeit, was die Energieversorgung betrifft auch sehr deutlich bewusst geworden. Heutzutage sind wir ja überall von elektrischen Geräten umgeben. Da macht es einfach viel mehr aus, wenn wir an dieser Stelle etwas ins Positive ändern.

      Der Eintrag im Kalender wird definitiv verfolgt! Wenn die Erkenntnis erstmal da ist, gibt es keinen Schritt zurück.. 😉

      einen schönen Abend!

      Juana

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