Batterien für eine ruhige Nacht

Batterien

 

Nachdem wir dreimal in der Nacht vom Fehlalarm unserer Rauchmelder aus dem Bett fallen, müssen schleunigst neue Batterien her. Doch wo bekommt man Batterien, die in Deutschland hergestellt werden? Gibt es die überhaupt? Dieser und anderen Fragen, die sich aus dem Kauf von Batterien ergeben haben, gehe ich in diesem Beitrag nach. Außerdem bekommt ihr einen kleinen Eindruck von der Recherche, die nötig ist, um solche Fragen etwas detaillierter zu beantworten.

Fast überall drin, doch nicht von hier

Zum dritten Mal wachen wir mitten in der Nacht durch das ohrenbetäubende Gepiepe eines Rauchmelders auf. Diesmal immerhin aus einem anderen Zimmer, aber natürlich wieder ohne eine Spur von Rauch weit und breit. Die Dinger mögen ja sehr nützlich sein, aber wer möchte schon gern immer wieder grundlos in seiner Nachtruhe gestört werden. Nach dreimal Fehlalarm steht fest, neue Batterien müssen her! Dabei sollten die letzten angeblich mindestens 10 Jahre halten – und sind noch keine 5 Jahre im Betrieb.

Batterien zu kaufen ist ja grundsätzlich nicht schwer, die bekommt man ja in fast jedem Drogerie- oder Supermarkt. Doch kommt heute nicht quasi jede Batterie aus China? Zumindest habe ich das bisher immer geglaubt. Also mal kurz das Internet bemüht und nach Batterien gesucht, die in Deutschland produziert werden. Erstaunlicherweise wurde ich recht schnell fündig: bei Varta. Auf der firmeneigenen Homepage heißt es „Bei uns ist ‚Made in Germany‘ mehr als nur ein Label. Es ist ein verlässliches Qualitätsmerkmal und darüber hinaus auch gelebte Tradition, die uns besonders am Herzen liegt.“1.

Recherche-Arbeit für den guten Zweck

Das Problem an der Sache: Wo bekommt man denn diese in Dischingen hergestellten Batterien? Und welche Batterie-Sorten werden dort überhaupt hergestellt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das komplette Varta-Sortiment aus Deutschland kommt. Da man aus dem Internetauftritt leider keine weiteren Informationen dazu bekommt, formuliere ich eine Anfrage über das Kontaktformular, um mehr heraus zu finden.

Entgegen meiner Erwartungen kommt recht schnell eine Rückmeldung der Kundenbetreuung von Varta: Die Batterien der häufig benutzten Klassen „AA“ und „AAA“ werden in Dischingen produziert, sowie die weniger bekannten Klassen „C“ und „D“.

Auf die Frage, wo die für die Herstellung benötigten Rohstoffe herkommen und ob die genannten Batterie-Klassen ausschließlich in Dischingen produziert werden, gibt es allerdings keine Antwort. Ich hake nochmal nach, bekomme aber leider keine Rückmeldung mehr. Bei erneuter Anfrage ca. zwei Wochen später und mit Hinweis auf meine Arbeit an einem Blog bekomme ich jedoch überraschend einen Anruf von Varta. Der Kollege nimmt sich viel Zeit, meine Fragen zu beantworten und macht einen offenen Eindruck.

Hohe Lohnkosten und Wettbewerbsfähigkeit

Ich erfahre, dass die „bekannten Einwegzellen“ (High Energy) ausschließlich im deutschen Dischingen produziert werden. Akkus werden nicht in Deutschland hergestellt. Ebenso die von mir benötigten 9V-Batterien, diese kommen als Lithium-Variante aus den USA und als Alkali-Mangan-Variante aus China.

Auf die Frage nach den in den Batterien verwendeten Materialien bekomme ich eine Antwort mit der ich auch nicht gerechnet habe: Ca. 65% der verwendeten Materialien für die Batterie-Zellen inklusive Verpackung kommen aus Deutschland. Dass bestimmte Rohstoffe, die für die Herstellung von Batterien benötigt werden, wie z.B. Mangan oder Zink, in Deutschland nicht vorkommen bzw. nicht mehr abgebaut werden, war mir vorher klar. Aber ich hatte ehrlich gesagt mit einem höheren Anteil gerechnet. Dass mir der Kollege am Telefon nicht auseinander klamüsern konnte, aus welchen Bestandteilen die Batterien bestehen und wo diese Rohstoffe im Einzelnen bezogen werden, kann ich vollkommen nachvollziehen. Aber er hat mir freundlich und ohne Zynismus erklärt, dass dies höchstens die Werkleitung oder die Techniker erklären könnten, er aber nicht sicher sei, ob diese Informationen herausgegeben werden. Gewisse Dinge sind eben Betriebsgeheimnisse, das verstehe ich. An dieser Stelle habe ich auch nicht weiter nachgeforscht.

Da das Telefonat tatsächlich sehr angenehm war, habe ich auch einfach nochmal nachgehakt, warum eben gerade „nur“ die High-Energy-Zellen in Deutschland hergestellt werden. Die Erklärung ist genauso banal, wie einleuchtend: Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, ist Varta eben auch gezwungen im günstigeren Ausland zu produzieren. Ebenso, wie zusätzlich zum Kerngeschäft der Batterien auch Taschenlampen, Ladegeräte u.ä. anzubieten, die sich auch nicht lohnen, hierzulande hergestellt zu werden. Warum gerade die klassischen Batterien wie AA und AAA aus deutschen Werken kommen, erklärt sich durch die großen Stückzahlen. Außerdem ist die Fertigung so stark automatisiert, dass sich trotz der höheren Lohnkosten in Deutschland eine Produktion rechnet. Hoffen wir, dass das so bleibt!

Der Konsum-Kompromiss

Auch, wenn ich nun leider keine 9V-Batterien für unseren Rauchmelder bekomme, die in Deutschland hergestellt wurden, so habe ich doch ein gutes Gefühl dabei, wenn ich wenigstens Batterien der Marke Varta kaufe und somit die heimische Firma und generelle Produktion vor Ort mit meinem Geld unterstütze.

Tatsächlich habe ich nicht weiter recherchiert, da das allein für mich schon ziemlich viel Aufwand für ein paar Batterien war. Vielleicht kennt ihr ja noch andere Alternativen? Gekauft habe ich die Batterien übrigens vor lauter „wir brauchen sie jetzt endlich“-Verzweiflung in einer der nahe gelegenen Drogerieketten. Eigentlich hätte ich es besser gefunden, sie wenigstens im Braunschweiger Eisenwaren-Fachgeschäft Ohlendorf zu erwerben. Nun gut, Abstriche gibt’s eben immer mal – den Nerven zuliebe..

 

1 http://www.varta-consumer.de/de-de/company/the-company, Stand: 25.06.2017

1 thought on “Batterien für eine ruhige Nacht

  • Oh Gott – klingt ja nach einer Horror-Nacht… Aber voll cool, dass du sie zum Anlass für diese interessant Recherche genommen hast 🙂

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